The Surge: Deftiges Action-Rollenspiel aus Deutschland

In The Surge pfeift die gute alte Erde auf dem letzten Loch, nur noch der Megakonzern CREO kann die ökologische Katastrophe abwenden: Mithilfe modernster Erfindungen, die Mensch und Maschine verschmelzen lassen, wird in CREOS gigantischen Industriekomplexen fieberhaft daran gearbeitet, die Atmosphäre des Planeten wiederherzustellen. In einer dieser Fabriken heuert Warren an – ein Mann mit einem spannenden Geheimnis, das allerdings gleich zu Spielbeginn gelüftet wird und sich danach nie wieder bemerkbar macht: Wie schon in Lords of the Fallen gelingt es Deck 13 auch diesmal nicht, aus den guten Ansätzen einen wirklich interessanten Charakter zu schmieden. Stattdessen wird Warren schnell weitergeschoben und für die Action fit gemacht: In einem gut gerenderten Intro erhält er ein futuristisches Exo-Skelett, das ihm ungeahnte Kräfte verleiht. Doch noch bevor er seinen neuen Job antreten kann, bricht bei CREO die Hölle los: Warrens Kollegen wandeln sich zu ferngesteuerten Hightech-Zombies, lynchen die Reste der Belegschaft und übernehmen die Kontrolle über den riesigen Firmenkomplex. Ohne nähere Begründung beginnt Warren damit, den Grund für die Katastrophe herauszufinden und sich durch sechs umfangreiche Levels zu kämpfen.

Gleich nach dem Intro nimmt sich die Geschichte bereits deutlich zurück. Nur selten gibt es dann noch Dialogszenen mit wenigen, zumeist gut vertonten NPCs, die Warren in der Spielwelt antrifft und die ihm ein paar Nebenquests auftragen. Von denen hätten es sehr gerne mehr sein dürfen! Stattdessen verfrachtet Deck 13 viele Teile der Handlung lieber in die Umgebungen: Videobildschirme erleutern die Geschichte von CREO in (nerviger) Endlosschleife, während sammelbare Audiologs langsam die grausamen Geheimnisse der Firma aufdecken. Mit der Zeit setzt sich so eine solide Sci-Fi-Story zusammen, die ihre großes Potenzial aber nie voll ausschöpft und in ein kryptisches Finale mündet, das bewusst einige Fragen offen lässt – vielleicht als Grundlage für einen möglichen Nachfolger?

Während der 30 bis 40 Spielstunden bereist Warren stillgelegte Fabriken, Labore, Werkstätten, Versorgungstunnel, Tankstationen, Sicherheitszonen und die edlen Büros der CREO-Firmenleitung, in denen glänzende Holzböden und sanfte Klaviermusik im krassen Kontrast zum übrigen Stil stehen: Die meisten Umgebungen von The Surge bestehen nämlich aus Beton und Stahl, nur sehr selten lässt sich dazwischen etwas Vegetation blicken. Allzu abwechslungsreich fallen die Levels darum nicht aus, stimmungsvoll sind sie aber trotzdem!

Viele Türen sind verschlossen. Erst spät im Spielverlauf kann Warren zurückkehren und sie öffnen. Die umfangreichen Areale sind durch viele Abkürzungen und Geheimgänge verbunden, die Warren stets zu einer Servicestation zurückführen, seinem einzigen sicheren Rückzugsort in jedem Level. Wer die Augen offen hält, entdeckt zig Aufzüge und Wartungstunnel, welche die Firmenbereiche verbinden. Obendrein sind massig kleine Belohnungen in Form von Implantaten, Ressourcen und Story-Schnipseln in den Umgebungen verborgen, das motiviert! Allerdings sorgen die ähnlichen, teils sehr dunklen Levelabschnitte und Wartungsschächte dafür, dass man sich vorzüglich verlaufen kann. Zumal Warren ab und zu auch in alte Levels zurückreisen muss! Spielerführung gibt es nur in Form von Notizen an den Wänden oder Hinweisschildern – wer Hilfseinblendungen, eine Karte oder Questmarker erwartet, dürfte schnell verloren gehen. Guter Orientierungssinn ist gefragt!

Die Kämpfe – brutal, wuchtig und fordernd

Wer die Angriffsmuster der Gegner lernt, tut sich deutlich leichter. Die Levels sind vollgestopft mit Gegnern, die Warren oft in dunklen Ecken auflauern, nur um sich mit einer wilden Kampfbewegung auf ihn zu stürzen. Allzu vielfältig und originell sind die Feinde zwar nicht, doch das Design geht in Ordnung – meistens tritt man gegen zombiehaft schlurfende, aggressive Mensch-Maschinen an, die genau wie Warren mit futuristischen Industriewerkzeugen bewaffnet sind. Ab und zu gesellen sich auch Drohnen, mechanische “Wachhunde” und andere Stahlbestien dazu. Sie alle zerlegt Warren grundsätzlich im Nahkampf, denn klassische Schusswaffen gibt es nicht in The Surge!

Toll animiert und wunderbar wuchtig mäht sich Warren durch die Gegnerhorden, teilt brutal mit futuristischen Kolben, Stäben, Äxten und messerscharfen Armklingen aus. Horizontale und vertikale Schlagbewegungen verbinden sich zu geschmeidigen Kombos, die den Gegnern kaum Luft zum Atmen lassen. Stures Tastenhämmern allein führt aber nicht weit, denn viele Widersacher verlangen eigene Taktiken: Ein Wachmann vom Sicherheitsdienst feuert beispielsweise zunächst einen Betäubungspfeil auf Warren ab und stürzt sich gleich danach mit einer tödlichen Stabattacke auf sein Opfer – hier muss man in Bewegung bleiben! Gegen andere Feinde, die mit gefährlichen Armklingen auf uns zurasen, ist es dagegen ratsam, im richtigen Moment zu blocken und einen schnellen Konter folgen zu lassen. Solche Angriffsmuster der Gegner zu kennen, ist überlebenswichtig, denn oft kippt Warren schon nach wenigen Treffern aus den Latschen! Dann verliert er sein gesammeltes Altmetall (gleichbedeutend mit Erfahrungspunkten) und muss sich erneut durch den Level prügeln, während alle Gegner wieder an ihre alten Positionen zurückkehren. Das sorgt meistens für Hochspannung und selten, wenn’s ganz schlecht läuft, durchaus mal für Frust.

spielekings

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